Jamie goes Berlin 

Gesunde Ernährung war in der englischen Schulverpflegung lange Zeit eine Illusion. Bis Jamie Oliver eine einzigartige Kampagne startete. Jetzt sind seine Rezepte auch an Berliner Schulen angekommen. Und das zu einem Preis, der offensichtlich akzeptiert wird. 

Trotz der englischen Herkunft des Konzepts standen an 50 Berliner Schulen vom 28. November bis 2. Dezember nicht Fisch und Chips oder Burger auf dem Speisenplan. Unter dem Motto: 'feed me better-Berlin' sollten die Rezepte von Jamie Oliver den rund 4.500 teilnehmenden Schülern gesunde Ernährung schmackhaft machen und auf die Defizite bei der Schulverpflegung hinweisen. Das Nachkochen der Gerichte des prominenten englischen Jungkochs als medienwirksames Ereignis, der spielerische Umgang mit den Schülern, um alte Ernährungsgewohnheiten zu ändern: „Vorträge erreichen die Kinder nicht. Wie immer, wenn sie etwas verinnerlichen sollen, müssen sie es selbst probieren, so Jamie Oliver. Ein Konzept, das auch hierzulande umsetzbar ist, fand der auf gesunde Ernährung spezialisierte Caterer Luna schon lange gegen die Fast Food-Kultur an den Schulen der Hauptstadt ankämpfend. „Wir wollen mit dieser Aktion Multiplikator sein und zum Nachahmen auffordern, sagt Geschäftsführer Rolf Hoppe. Zum Bildungsauftrag einer Schule gehöre es auch, Kindern Wissen rund um das Thema Ernährung zu vermitteln. Das An- gebot in Mensa und Cafeteria sei ein wichtiger Teil davon. Aus zwei Hauptgerichten, darunter immer eine vegetarische Variante, können die Schüler wählen, dazu gibt es frischen Salat, Obst und einen typisch englischen Nachtisch wie Bananen-Porridge-Dessert. 20 Mitarbeiter bereiten in einer Hauptküche die Gerichte zu, an sechs Schulen wird vor Ort gekocht. Umfangreiche Schulungen, wie beim britischen Projekt waren nicht nötig. ‚Jamies Küche ist wirklich ganz einfach. Sie ist sehr leicht nachzuvollziehen, wenn man das Kochen mit frischen Zutaten gewöhnt ist, erklärt Hoppe. Gesunde Ernährung muss in erster Linie den Kindern schmecken, um erfolgreich zu sein. An dieser Tatsache hat sich bereits Jamie Oliver vor laufender Kamera die Zähne ausgebissen. In Berlin seien die ungewohnten Currygerichte heiß diskutiert worden. Auch die Süßkartoffeln mit Linsen und die Baked Beans seien auf wenig Begeisterung bei den Schülern gestoßen. Viele hätten diese Speisen vorher noch nie probiert und sie seien ihnen deshalb fremd gewesen. Spaghetti Bolognese mit vielen frischen Zutaten und das Gemüsegulasch mit Kartoffeltalern wären dagegen Bestseller gewesen. „Ob das Essen gut ankommt, hat in der sozialen Gemeinschaft Schule auch viel mit der individuellen Dynamik innerhalb der Gruppe zu tun, weiß Hoppe. Ein Aktionsspeisenplan und eine Internetseite sollten Schüler und Eltern über die Aktion aufklären, im Unterricht wurde das Ernährungskonzept besprochen. Welche Gerichte in Zukunft gekocht werden, dass durften die Kinder durch ihr Feedback selbst entscheiden. Das niedrige Budget der Schulen war neben der geringen Akzeptanz der Speisen der größte Stolperstein für Jamie Oliver. Er verwendet in seinem Menüplan keine Bioprodukte, um die Vorgaben erfüllen zu können. Trotz klammer Kassen auch in Deutschland musste Luna auf einen Bioanteil von 80 Prozent nicht verzichten und verlangt einen Preis von 2,40 bis 2,80 E. Im Durchschnitt zahlen Schüler in Berlin nur 2,10 € für ein Mittagessen. Mehrkosten, die Eltern und Trägern vermittelt werden mussten. „Bio ist nicht eine Frage des Geldbeutels, sondern eine Frage des Bewusstseins. Wenn jemand von etwas überzeugt ist, dann ist er auch dazu bereit, mehr zu bezahlen, weiß der Caterer. Mit einer konsequenten Qualitätsstrategie will er diese 'überzeugte' Zielgruppe erreichen und erweitern. Qualität und Geschmack der Speisen müssten stimmen, dann ließe sich auch das höhere Preisniveau durchsetzen. Außer bei privater Trägerschaft beteiligen sich die Eltern mit 23,-€ pro Monat an den Kosten; der Berliner Senat subventioniert die Speisen mit 1,- € täglich pro Schüler. Da seien sogar noch -,05 € von jedem Essen für die Unterstützung von Projekten übrig:,, Mit unserem Spendenanteil werden wir ein Kinder- und Jugendhilfswerk in Berlin unterstützen, damit Kinder aus sozial schwachen Familien dort ein warmes Mittagessen bekommen, erklärt Hoppe. Die Schulverpflegung habe durch die Aktion einen anderen Stellenwert bekommen und das sei die Intention gewesen. „Es wird übergesundes Essen gesprochen. Lehrer und Schüler haben sich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt, resümiert der Bio-Caterer. Zusätzlich soll, wie in England, eine öffentliche Diskussion angeregt werden. Die TV-Serie von Jamie Oliver führte zu einem Aufschrei der Medien und die britische Regierung will aufgrund einer durch den Jungkoch initierten Petition über 415,0 Mio. € extra in Schulküchen investieren. Hoppe: „Es wäre wunderbar, wenn Frau Merkel sich, ebenso wie Tony Blair, für gesundes Schulmittagessen einsetzen würde. Mit Vorgaben und Richtlinien, die bindend sind für alle.jB

Quelle: GV-Praxis, 06/01, Auflage 11.000

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